Stefan Raab: Das Ende einer TV-Ära; Karriere, Sprüche, Shows, Pro7...

von Hengst, Tom veröffentlicht

Stefan Raab: Das Ende einer TV-Ä̱ra; Karriere, Sprüche, Shows...

© ProSieben

Stefan Raab: Das Ende einer TV-Ä̱ra; Karriere, Sprüche, Shows...

Stefan Raab beendet TV-Karriere - Ein Stück deutscher TV-Geschichte geht zu Ende: Entertainer Stefan Raab will sich Ende 2015 vom Bildschirm zurückziehen.

Stefan Raab beendet TV-Karriere

Stefan Konrad Raab ist ein deutscher Fernsehmoderator, Entertainer, Unternehmer, Singer-Songwriter, Komponist sowie Fernseh- und Musikproduzent.

Stefan Raab (48) ist seit gut 20 Jahren nicht aus dem deutschen Fernsehen wegzudenken. Diese Ära neigt sich nun dem Ende zu: Raab wird Ende 2015 seine letzte Show moderieren, wie der Entertainer und sein Stammsender ProSieben in einem gemeinsamen Statement mitteilen.

"Ich habe mich entschlossen zum Ende dieses Jahres meine Fernsehschuhe an den Nagel zu hängen", erklärt Raab darin. "ProSieben hat mir eine mehrjährige Vertragsverlängerung angeboten. Das hat mich sehr geehrt. Dennoch habe ich meine Entscheidung nach reiflicher Überlegung und mit Überzeugung getroffen", fährt der Moderator fort. "Ich bedanke mich bei meinem Sender ProSieben, der mich in den vergangenen Jahren alle meine Ideen hat umsetzen lassen. Wir beenden die Zusammenarbeit im besten Verhältnis, das man haben kann."

Raab wurde Anfang der 90er als VIVA-Moderator bekannt. 1999 wechselte er zu ProSieben, wo er seitdem "TV total" moderiert. Dazu kamen zahlreiche weitere Formate wie die "Wok-WM", "Schlag den Raab" und der "Bundesvision Song Contest". Das Allroundtalent profilierte sich auch in der Musikszene, vor allem beim ESC: Er schrieb etwa 1998 den Song "Guildo hat euch lieb" für Guildo Horn, trat 2000 selbst an und holte schließlich 2011 mit seinem Schützling Lena Meyer-Landrut den zweiten deutschen ESC-Sieg.

Stefan Raab: So geschockt reagiert das Netz auf seinen Abschied - TV-Abschied nach 16 Jahren

Eine beispiellose TV-Karriere geht zu Ende. Stefan Raab hat seine Fernseh-Rente bekanntgegeben und selbstverständlich steht das Netz seither Kopf. Die Meldung von Stefan Raabs (48) Karriere-Ende ist wie eine Bombe eingeschlagen. Folgerichtig überschlagen sich derzeit die sozialen Netzwerke mit Trauerbekundungen, Glückwünschen für die Zukunft sowie der leisen Hoffnung, dass der Showmaster vielleicht doch nicht ganz aufhört. Unter den Fan-Posts tummelt sich dabei auch die ein oder andere Promi-Nachricht an den baldigen Ex-Kollegen.

Schockierte Promis

Simon Gosejohann (39), der mit Raabs ewigem Show-Praktikanten Elton (44) einst ein eigenes TV-Format namens "Elton vs. Simon" hatte, sorgt sich prompt um die Zukunft des deutschen Fernsehens. Auf Twitter schreibt er: "Bisschen Sorge, dass #Raab das ganze TV abschaltet." Kurz zuvor hatte er, ebenfalls bei dem Kurznachrichtendienst, noch leise Hoffnung geäußert, dass der Abschied von Raab vielleicht doch nicht so endgültig sein könnte: "Bitte, bitte, bitte nicht 'ganz' gehen. Das macht man doch angeblich 'niemals' #Raab Außerdem wird der Jeans-Style 2016 bestimmt wieder hip!"

Auch Frank Buschmann (50), als Kommentator von "Schlag den Raab" ein langjähriger Gefährte des Moderators, meldet sich via Twitter zu Wort und blickt optimistisch in die Zukunft: "Das war es Ende des Jahres. #stefanraab hört auf. 8 Jahre gehen zu Ende! Danke an ein tolles Team. Ein Ende ist immer auch ein Anfang!!!" Mit dem Tweet "Danke Stefan für so viele tolle TV-Momente" schließt sich Komiker Matze Knop (40) den Worten von "Buschi" an.

Appell der Fans

Unter den treuen Zuschauern wird vor allem das Vakuum bemängelt, dass der TV-Metzger hinterlassen wird. "Wer soll sich dann über das tägliche Geschehen lustig machen??", wundert sich etwa ein Fan auf der offiziellen Facebook-Seite von "TV total". Ein anderer fragt: "Was soll ich denn jetzt ab nächstem Jahr immer angucken? Kann man seinen Fernseher eigentlich wegräumen."

Besonders dramatisch sieht es ein Raab-Anhänger auf Facebook: "Eine deutsche TV-Landschaft ohne Stefan Raab ist nicht mehr vorstellbar. 2-3 mal TV Total die Woche und SDR müssen einfach weiterhin bestehen bleiben ! Es gibt keinen " neuen " Stefan Raab...Wenn er nicht weitermacht, kommen wir gefühlt wieder zum 21. März 1935..an dem Tag gab es noch kein deutsches Fernsehen..."

Es herrscht nicht nur Trauer

Selbstredend gibt es auch Stimmen, die auf das Karriere-Ende von Raab weniger geschockt reagieren. Wiederum auf Twitter meint etwa eine Userin: "Mir gehen diese #Stefan Raab Gesülze auf jeden Radiosender auf den Geist. Ist er Gott oder was? #genervt ! Es gibt doch wohl Wichtigeres ! Ein anderer meint bissig: "#Raab hört auf. Das #TVTotal Studio sendet ab 2016 ohne Moderator. Viele werden den Unterschied nicht merken."

Und wer könnte in die großen Fußstapfen Raabs treten? Während man es Elton größtenteils nicht zutraut, die Nachfolge stemmen zu können, und Joey Kelly schon vor dem Arbeitsamt vermutet wird, hat ein Nutzer auf Twitter den vermeintlich perfekten Ersatz im Sinn: "Übernimmt Walter Freiwald wenigstens ,Schlag den Raab'?"

Die Karriere des Stefan Raab - Vom Metzgerlehrling zum Raab aller Klassen

Stefan Raab ist noch keine 50 - und hört trotzdem schon auf. Kein zu großes Wunder, bei dieser Karriere. Der Kölner hat in 20 Jahren TV alles erreicht. Vom ESC-Sieg bis zu Show-Dauererfolgen. Zuerst wirkte am Mittwochabend der Überraschungseffekt, dann erst wurde die Tragweite der Mitteilung klar. Stefan Raab (48) zieht sich aus dem TV-Geschäft zurück. Die Überraschung: Ein noch nicht einmal 50 Jahre alter, wunderbar verdienender TV-Entertainer macht Schluss. Die seltsam große Tragweite: Ohne Raab wird die deutsche Fernsehlandschaft fast frei von alles überstrahlenden Moderatoren-Stars sein. Günther Jauch vielleicht noch. Und dann lange nichts. Das ist ein Status, den sich Stefan Raab über lange Jahre erarbeitet hatte. Auf teils verschlungenen Wegen. Und dann doch bisweilen scheinbar fast mühelos.

Denn auch wenn es so scheinen mag: Raab ist noch nicht "ewig" im deutschen Privatfernsehen unterwegs. Er ist sogar ein vergleichsweise spät Berufener. 1993 machte der gebürtige Kölner seine ersten Schritte beim Musiksender Viva. Da war er schon jenseits der 25. Und hatte eine Metzgerlehre abgeschlossen und sich als Jingle-Schreiber verdingt. Die nächsten Karrieresprünge gelangen mithilfe wohldosierter Anarchie.

Berti Vogts als Karriere-Boost

In seiner Show "Vivasion" klampfte Raab zwischen skurrilen Sitzmöbeln auf der Ukulele und verunglimpfte Stars wie Moses Pelham - was die nicht immer lustig fanden. Ein TV-Spontan-Rap über den damaligen Fußball-Bundestrainer Berti Vogts ("wer sieht hinten aus wie vorn: Bööörti, Bööörti Vogts") entwickelte sich zum Hit. Raab sang in der ZDF-Hitparade und schwieg in Dieter Thomas Hecks "Goldener Stimmgabel" zum Playback. Der damals 30-Jährige wurde so eine Art singender und anstrengender Junge-Leute-Harald-Schmidt. Eine Mixtur, bei der ProSieben zuschlagen musste.

Ab 1999 macht Raab dort "TV Total". Und wurde damit auch offiziell die Schmidt-Late-Night-Alternative. Ein Status, über den Raab aber schnell hinauswuchs. Weil er alles machte. Und scheinbar alles konnte: TV-Talkereien und -Blödeleien. Auf den ersten Blick billige aber wohl gewählte Trash-Hits. Pop-Musik allgemein, ESC im Speziellen. Und Showkonzepte mit Erfolgsgarantie.

Hauptsache Wettbewerb

Noch vor seinem Wechsel ins "große" TV schrieb Raab prägende Musik: Für Guildo Horn den ESC-Hit "Guildo hat euch lieb", Platz sieben stand am Ende zu Buche. Kurz danach versuchte sich Raab mit "Wadde Hadde Dudde Da?" selbst im Eurovision-Schlagerland - Platz fünf. Nebenbei formte er immer wieder mal "TV Total"-Samples zu Charterfolgen: "Maschen-Draht-Zaun", "Ö La Palöma Blanca", und "DJ Bundeskanzler" mit "Ho' Mir Ma Ne Flasche Bier". Oder auch eine Dame, die "Ich liebe deutsche Land" sang.

Ebenso produktiv war Raab bald, wenn es darum ging, neue Sendungen auf den Bildschirm zu bringen. Immer ging es dabei um Wettbewerb, meist mit einem pseudo-offiziellen Anstrich: Die "Wok-WM" wurde zum TV-Klassiker, auch der "TV total Boxkampf" und das "TV total Turmspringen" fanden ihre Zuschauer. Mit "Schlag den Raab" wurde der Fernseh-Crack zum ersten Moderator seit Thomas Gottschalk, der bis in die frühen Morgenstunden vor einem Millionenpublikum "überziehen" durfte.

Mann mit Durchblick im Pop-Entwicklungsland

Seine bemerkenswertesten Erfolge feierte Raab aber, wenn er seine Talente kombinieren durfte: Mit eigens erfundenen TV-Wettbewerben zum Thema Musik. Zwei ESC-Top-Ten-Platzierte castete Raab mit Max Mutzke (34, "Can't Wait Until Tonight") und Roman Lob (24, "Standing Still"). Eine Siegerin mit Lena (24, "Satellite") noch dazu. Ohne Raabs Zutun landete Deutschlands zuletzt meist auf hinteren Plätzen. Gerade, als wäre Raab der einzige Musikproduzent mit Durchblick in einem Pop-Entwicklungsland.

Nun also ist Schluss - Schluss mit einigen der meistbeachteten TV-Wettbewerbe, die nicht von der FIFA ausgerichtet werden. Schluss mit Entwicklungshilfe für den deutschen ESC-Vorentscheid. Und das Ende für ein anderes bemerkenswertes Wettrennen: In 22 Jahren vom No-Name zum letzten Pfeiler der deutschen Fernsehszene. Das dürfte Raab so schnell keiner nachmachen.

Stefan Raabs Sprüche: So machte er sich über alle Welt lustig - Von Küblböck bis Klitschko

Stefan Raab beendet seine TV-Karriere, seine Sprüche werden bleiben. Zehn davon gibt es hier.  Stefan Raab (48) wird zum Ende dieses Jahres seine TV-Karriere beenden. In Erinnerung wird der Moderator sicher noch um einiges länger bleiben - nicht zuletzt aufgrund markanter Sprüche wie dieser:

"Die CeBIT ist das größte Treffen von blassen, übergewichtigen Brillenträgern mit Scheißklamotten seit der Premiere von 'Harry Potter'."

"Daniel Küblböck möchte nach Indien gehen. Vielleicht gar keine schlechte Idee, nach Indien zu gehen, eventuell wird er da als Mensch wiedergeboren."

"'Wetten, dass..?' ist die einzige Sendung im deutschen Fernsehen, wo am Samstag die ganze Familie davor sitzt und sagt: Boah, ist das langweilig!"

"Barbie wird 45 oder wie Frauen sagen: 29."

"Wenn das Mikrofon zittert, wissen Sie: Es ist das ZDF. Wenn das Mikrofon vibriert, ist es RTL 2..."

"Bier macht doch nicht dick! Interessant auch für die Frauen: Bier holen macht sogar schlank."

"Mittlerweile sind die deutschen Frauen im Fußball fast genauso gut wie im Kochen und Putzen."

Im Raabigramm für die Klitschko-Brüder bei "Wetten, dass..?": "Könnt ihr dem Dieter Bohlen mal gepflegt den Arsch versohlen? Er schreibt immer die gleichen Lieder, drum brecht ihm alle Glieder."

"Gedächtnisverlust ist halb so schlimm. So moderiert Thomas Gottschalk seit Jahren 'Wetten, dass..?!'"

"Ich war heute früh beim Arzt und der hat gesagt: Im Prinzip klinisch tot, aber für Pro7 reicht's noch."

Auf diese Stefan-Raab-Shows können wir uns 2015 noch freuen - Abschieds-Tournee des Kult-Moderators

Auch wenn der Schock über Stefan Raabs Karriere-Ende bei vielen Fans tief sitzt, so können sie sich doch noch auf einige Events mit ihm freuen. Ende 2015 ist Schluss. Nach gut 20 Jahren im Show-Geschäft, in denen er die deutsche Fernsehlandschaft wie kaum ein anderer geprägt hat, hängt Stefan Raab (48) seine Moderatoren-Schuhe an den Nagel. Doch für all diejenigen, die den Entertainer mit dem markanten Gebiss schon jetzt vermissen, sei gesagt, dass er zumindest bis Ende des Jahres noch reichlich im Fernsehen vertreten sein wird. Ein Überblick der anstehenden Sendungen von und mit Raab gibt es hier.

"Schlag den Raab"

Das Zugpferd seiner langen Karriere war zuletzt ganz klar das Show-Format "Schlag den Raab". 2006 hatte sich Raab das so simple wie geniale Showkonzept ersonnen, in verschiedenen Disziplinen gegen einen ausgewählten Kandidaten anzutreten. Seither fand die Show pro Jahr genau sechs Mal statt. Die gute Nachricht für alle Fans: 2015 trat Raab bislang erst zweimal in der Show an, eine "Schlag den Raab"-Ausgabe wurde verschoben. Mit einer bereits angekündigten Sondersendung im Herbst müssten die Zuschauer als insgesamt noch vier Ausgaben der beliebten Samstagabend-Show erwarten können.

"Schlag den Star"

Auch auf "Schlag den Star" wird man sich noch exakt vier Mal freuen können. In der siebten Staffel des "Schlag den Raab"-Ablegers, die ab Anfang Juli ausgestrahlt wird, fungiert Raab wie schon in der Staffel zuvor als Moderator. Ab der zweiten Staffel war er für ein Spiel zudem immer als Joker einsetzbar. In den vier anstehenden Ausgaben wird Elton gegen Lukas Podolski antreten, Stefan Effenberg sich mit Daniel Aminati messen, Luke Mockridge auf Ross Antony treffen und Sophia Thomalla mit Fernanda Brandao wetteifern.

"TV total"

Natürlich wird er auch mit seiner wöchentlichen Sendung "TV total" weiterhin über die Flimmerkiste laufen. Allerdings erst wieder ab 24. August, da sich die Show aktuell in der Sommerpause befindet. Ab diesem Termin gibt es "TV total" aber wieder wie gewohnt viermal pro Woche zu sehen.

"Bundesvision Songcontest 2015"

Auch Raabs Suche nach dem besten deutschsprachigen Interpreten mit dem "Bundesvision Songcontest" wird 2015 ein weiteres Mal stattfinden. Am 29. August in der ÖVB Arena in Bremen nämlich. Unter anderem mit dabei: Yvonne Catterfeld, Glasperlenspiel, Mark Foster und Madsen.

"TV total Stock-Car Crash Challenge"

Wer noch ein letztes Mal den Geruch von Benzin und Auspuffgasen riechen möchte, der muss sich noch schnell eine Karte für die "TV total Stock-Car Crash Challenge, 2015" besorgen. Wie schon in den Jahren zuvor werden Raab und seine prominenten Mitfahrer am 10. Oktober in der Veltins-Arena auf Schalke im Kreis durch den aufgebauten Parcours heizen und sich bestimmt das ein oder andere Mal aufs Dach legen.

"TV total Pokerstars.de Nacht"

Einen Termin für die nächste "TV total Pokerstars.de Nacht" gibt es zwar noch nicht, es ist aber schwer vorstellbar, dass die Show vom 27. März die letzte gewesen sein soll. Alleine, weil Ehrgeizling Raab es sicherlich nicht auf sich sitzen lassen will, damals nur Zweiter geworden zu sein.

Sportevents vorbei?

Von einigen liebgewonnenen Formaten müssen wir uns allerdings wohl ein für alle Mal verabschieden. So fand 2015 beispielsweise bereits die "Wok-WM" statt und einen weiteren Weltmeister wird Raab in diesem Jahr sicherlich nicht suchen. Auch der "Deutsche Eisfussball Pokal" wurde 2015 bereits vergeben. Die allseits beliebte "Autoball WM" hingegen, bei der zwei Promis in Boliden um einen gigantischen Plastikball fighten, gab es 2015 zwar noch nicht, bislang fand sie aber immer nur im Zweijahres-Rhythmus statt. Zumindest das "TV total Turmspringen" dürfte noch ein letztes Mal anstehen: Zwar ist noch kein konkreter Termin für das Event bekannt, traditionell fand die Show aber ohnehin immer erst kurz vor Jahresende statt.

Karrierehilfe und fiese Sprüche - Von Lena bis Elton: Das sind Stefan Raabs Entdeckungen

Stefan Raab tritt ab - aber er hinterlässt eine Art Entertainment-Lebenswerk. Künstler wie Lena und Roman Lob hat er entdeckt, Joey Kelly im Geschäft gehalten. Und anderen "TV-Entdeckungen" durchaus übel mitgespielt. Gut zwei Jahrzehnte hat Stefan Raab (48) im deutschen Showbiz kräftig mitgemischt. Und - das wird ihn nun, nach seinem Rücktritt, vielleicht trösten - so einige Spuren hinterlassen. Als Übervater des sportlichen Wettbewerbsgedanken in der Abendunterhaltung. Und als Entdecker, Förderer und Spötter so einiger hoffnungsvoller Talente.

Denn Raab hat einen eigentlich erstaunlichen Wandel genommen: Zu Beginn seiner Zeit bei "TV total" fabrizierte er im besten Fall One-Hit-Wonder, die sich selbst im Erfolg noch zu blamieren schienen - von den Ö La Palöma Boys bis zu "Isch liebe Deutscheland". Später nahm Raab zumindest einige Leute ernster. Er verhalf Lena, Max Mutzke und Elton zu einer Karriere. Und hielt Joey Kelly mit ständigen Auftritten in den sportlichen "TV total-Events" auf dem Radar. Aber das ist eine andere Geschichte.

Eine positive Erkenntnis: Max Mutzke (2004)

Lange hatte Stefan Raab in "TV Total" alle möglichen Fehltritte durch den TV-Kakao gezogen und TV-Fehltritte durch den musikalischen Kakao ("Maschen-Draht-Zaun"). Dann machte er auf einmal auch im Fernsehen ernst. Raab castete Max Mutzke (34, "High On Your Love") 2004, schrieb ihm einen Song, brachte ihn - mit einem Erdrutsch-TED-Sieg gegen Scooter - durch den ESC-Vorentscheid und auf Platz acht in Istanbul. "Die Ironie einer Idee ist vorbei, wenn man sie tatsächlich mit Substanz füllt", sagte Raab später einmal der "FAZ". Die Freundschaft mit Raab sei mehr als nur ein "Show-Ding", erklärte Mutzke seinerseits spot on news vor einiger Zeit.

Was sich liebt, neckt sich: Elton (ab 2001)

Nicht ganz so zärtlich ist die Beziehung Raabs zu seinem zweiten Zögling, dem Spaßmacher Elton (44). Elton alias Alexander Duszat taucht seit 2001 in "TV total" als Showpraktikant auf - und überall sonst, wo Raab geladene Gäste halsbrecherische Stunts vollführen lässt. Harte Worte fallen bisweilen zwischen den beiden, zumindest vor der Kamera. Aber: Raab hat seinen TV-Ziehsohn seit 16 Jahren stets mit durch seine Shows gebracht. Mittlerweile steht Elton auch auf eigenen Beinen. Zum Beispiel als Moderator der ZDF-Kindersendung "1, 2 oder 3".

Als Satellit im Raab-Kosmos gestartet: Lena (2010)

Und nochmal wurde Raabs Casting-Schmiede zum großen Talentsprungbrett - auch ohne monatelange Quälerei wie bei Bohlens "DSDS". 2010 wurde Lena Meyer-Landrut (24, "Satellite") sozusagen die neue Mutzke. Mit ihr spendierte Raab der Nation nach 28 Jahren sogar wieder einen ESC-Sieg. Tatsächlich war das noch nicht das Ende der Fahnenstange. "Lena ist die erste Casting-Künstlerin, die es geschafft hat, mit einem zweiten Album in Folge auf Nummer eins der Charts zu landen. Das hat es vorher noch nicht gegeben", betonte Raab im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Mittlerweile sind noch zwei Nummer-zwei-Alben dazugekommen.

Ein Schweizer Meylenstein: Stefanie Heinzmann (2007)

Noch einen weiteren stabilen Casting-Star hat Stefan Raab geschaffen. Stefanie Heinzmann (26, "Show Me The Way") nahm 2007 an Raabs schlicht "SSDSDSSWEMUGABRTLAD" ("Stefan sucht den Superstar, der singen soll, was er möchte, und gerne auch bei RTL auftreten darf") betitelter Sangesrunde teil und gewann. Die Schweizerin ist noch immer im Geschäft. In der Heimat sind all ihre vier Alben in den Top 5 gelandet, in Deutschland immerhin in den Top 20. Bei "SSDSDSSWEMUGABRTLAD" war damals übrigens noch ein anderer guter Bekannter dabei: Gregor Meyle (36, "Hier spricht dein Herz"). Er schaffte im vergangenen Jahr bei "Sing meinen Song" den ganz großen Durchbruch.

Eine kurze Liaison: Roman Lob (2012)

Und nochmal brachte eine Raab-Kooperation einen ESC-Teilnehmer hervor. Roman Lob (24) erreichte 2012 in Baku einen ehrenwerten achten Platz. Bei "DSDS" hatte er ein paar Jahre zuvor noch die Segel streichen müssen. Allerdings ist das Projekt Roman Lob für Raab offenbar nicht mehr ganz so wichtig gewesen, wie die mit Mutzke und Lena. Ende 2012 erkannte der Moderator bei "Schlag den Raab" ausgerechnet Lobs - allerdings rückwärts abgespielten - Song nicht. Und Roman Lob ist eben auch keine neue Lena geworden. Sein zweites Album sah die Top 10 der Charts nicht mal von der Ferne.

Etwas weniger Glamour: Der ganze Rest

...dann ist da noch das Heer der Namenlosen, die Raab zwischenzeitlich zu mehr als fragwürdigem Ruhm gebracht hat. Die Sächsin Regina Zeidler samt "Maschen-Draht-Zaun" und dem "Knallerbsenstrauch" ihres Nachbarn. Verna Mae Bentley-Krause, die singend gestand, "Deutscheland" zu lieben und nun eine Autobiografie veröffentlichte. Auch eine minderjährige Schülerin, die Raab wegen ihres Nachnamens so hartnäckig triezte, dass der Fall vor Gericht endete. Sie alle hätten sich vielleicht jenes Schicksal gewünscht, dass Raab sich selbst in der "FAZ" prophezeite: "Ich fände es ehrlich gesagt ganz gut, in dem Moment, in dem ich mit dem Fernsehen aufhöre, vergessen zu werden. Dann kann ich wieder unerkannt Brötchen kaufen gehen."

Was sagt eigentlich Elton zum Raab-Abschied? - Der Dauer-Prakti im TV

Mit dem Abschied von Stefan Raab geht eine TV-Ära zu Ende. Kollegen und Fans reagierten teils geschockt auf die überraschenden Rückzugspläne des Entertainers. Auch Dauerpraktikant Elton ist da keine Ausnahme. Stefan Raab (48) verkündet seinen TV-Abschied und die Medienwelt steht Kopf. Doch was hält eigentlich Dauerpraktikant Elton (44) von den Plänen seines Chefs? "Ich kann und werde mich im Moment zu den Nachrichten nicht groß äußern", schreibt der 44-Jährige auf seiner Facebook-Seite. "Außer: Danke für eine geile Zeit!!!!"

Er freue sich nun auf alles, was bis Ende des Jahres noch kommt. Mit einer Ausnahme: das "TV total Turmspringen". Einer der zahlreichen Wettbewerbe, die Raab aus dem Boden gestampft hatte und die Elton wohl oder übel bestreiten muss. "Selbst, wenn ich im Rollstuhl sitzen würde, würde mich Stefan da hochfahren und runterschubsen. Ich habe keine andere Wahl", erklärte Elton einst spot on news im Interview.

Elton hat kein Problem mit seinem "Praktikanten"-Status

Elton alias Alexander Duszat taucht seit 2001 in "TV total" als Showpraktikant auf. Dass er auch 14 Jahre später immer noch als Raabs Praktikant betitelt wird, stört den 44-Jährigen nicht. "Das ist ja mein beruflicher Werdegang, das ist vollkommen okay. Damit habe ich überhaupt kein Problem", sagte Elton spot on news.

Zudem verbinde die beiden ein "sehr gutes Chef-Angestellten-Verhältnis", verrät er weiter. "Wir trinken jetzt nicht regelmäßig Kaffee zusammen, aber wir sehen uns sehr häufig in der Firma. Dann quatschen wir oft miteinander, tauschen uns über unsere Ideen oder Probleme aus." Ob Raab seinem Schützling wohl auch von seinen Rückzugsplänen erzählt hat?

Cleverer Schachzug des Moderators - Fünf Gründe, warum der Raab-Abschied zum richtigen Zeitpunkt kommt

Für Stefan Raab beginnt dieser Tage die große Abschieds-Tournee. Dass der Entertainer Ende 2015 in TV-Rente geht, ist zwar für viele Fans ein Jammer, aber in Ruhe betrachtet das absolut richtige Manöver. "Du darfst nicht gehen" oder "Bitte bleib!": Ob auf Twitter, der "TV total"-Facebook-Seite oder bei sonstigen Plattformen im Netz, der Grundtenor ist, dass Stefan Raab (48) doch bitte sein Karriere-Ende noch einmal überdenken solle. Aber wenn der erste Schock über die Ankündigung des Moderators verflogen ist, muss nüchtern betrachtet festgestellt werden, dass Raab wohl den perfekten Zeitpunkt für seinen Abgang gefunden hat.

Nur solide Quoten sind ihm nicht genug

Eines gleich vorweg: Hinsichtlich der Quoten ist seine Samstagabend-Show "Schlag den Raab" auch nach nunmehr 52 Ausgaben über jeden Zweifel erhaben. Aber die Tage, an denen der Wettbewerb zwischen Kandidat und Killerplauze Raab unangefochten den Quotensieg bei der Zuschauergunst einfuhr, sind schon länger vorbei. So musste sich die 51. Folge im Januar dieses Jahres gleich mehreren Sendungen beugen. Der ZDF-Krimi "Kommissarin Heller - Querschläger" erreichte mit 6,29 Millionen Zuschauer sogar über doppelt so viele Zuschauer wie Raab. Selbst Florian Silbereisen (33) und sein "Großes Fest der Besten" machte an jenem Samstag deutlich mehr Quote. Seine zahlreichen anderen Formate - ob die "Wok-WM" oder das "TV total Turmspringen" - hatten zuletzt allenfalls solide Zuschauerwerte vorzuweisen. Schwer vorstellbar, dass in einigen Jahren die Menschen auch noch so traurig über das Ende all dieser Shows gewesen wären...

Der Zahn der Zeit

Böse Zungen scherzten bereits, Raab habe die Reißleine gezogen, weil er sich erstmals in der Geschichte von "Schlag den Raab" bei der 52. Ausgabe einer Frau geschlagen geben musste. Dabei weiß der Entertainer doch spätestens seit seiner beiden Boxkämpfe gegen Regina Halmich (38) 2001 und 2007, wie es sich anfühlt, nach Strich und Faden von einer Frau vermöbelt zu werden. Aber all die bitterbösen Scherze beiseite: Raab ist nicht mehr der Jüngste, feiert am 20. Oktober seinen 49. Geburtstag. Es war ohnehin immer verwunderlich, wie gut sich der Moderator in den sportlichen Wettbewerben gegen die athletischen Herausforderer erwehren konnte. Immer häufiger musste er aber zuletzt seine körperlichen Nachteile durch seinen Grips bei Wissensspielen wettmachen. Also lieber aufhören, solange die Show noch "Schlag den Raab" und nicht "Schlag den Greis" heißt.

Endlich Zeit für die Familie

Wenige Personen der Öffentlichkeit schaffen es so erfolgreich wie Raab, das Privatleben auch wirklich privat zu halten. Der deutliche Schnitt zwischen Karriere und Familie bedeutet aber auch, dass für Letztere nicht immer viel Zeit gewesen sein dürfte. Mit all seinen Show-Formaten, der viermal wöchentlich laufenden Sendung "TV total" und all den Proben und Vorbereitungen, die damit einhergehen, war Raab ein Hans Dampf in allen TV-Gassen - und das alleine auf ProSieben seit guten 16 Jahren. Seine Liebsten können sich ab kommenden Jahr also voll und ganz auf Privatvorstellungen des Scherzkekses freuen.

Es kann auch zu spät sein

Dass man sein Show-Blatt überreizen kann, davon kann manch Kollege von Raab ein Liedchen singen. Wander-Zyniker Harald Schmidt (57) etwa, der zwar stets als Aushängeschild, selten jedoch als Quotenbringer galt. Zwar ist man im Nachhinein bekanntlich immer schlauer, aber für "Dirty Harry" wäre es wohl der würdevollste Abgang gewesen, hätte er vor "Schmidt & Pocher" von 2007 bis 2009 im Ersten seinen Hut genommen. Doch Schmidt machte bekanntlich weiter, tingelte 2011 von den Öffentlich-Rechtlichen zurück auf seinen Heimatsender Sat.1, nur um ein Jahr später in der Bezahl-Nische auf Sky zu landen.

Auch Thomas Gottschalk (65) hat das Showgeschäft gefühlt eine Ausfahrt zu spät verlassen. Natürlich, 1993 war TV-Deutschland noch heilfroh, als sein Comeback bei "Wetten, dass..?" bekanntgegeben wurde. Nicht zuletzt, weil er damit Interims-Moderator Wolfgang Lippert wieder ablöste. Und als er dann 2011 den erneuten und endgültigen Abschied von "Wetten, dass..? verlauten ließ, hatte man den Eindruck, er habe den Abschied gerade noch rechtzeitig geschafft. Damals wussten die Zuschauer auch noch nicht, dass er ein Jahr später an der Seite von Dieter Bohlen in der Jury des Supertalents" bei RTL sitzen würde.

Alle Ideen umgesetzt?

Aber zurück zu Stefan Raab und seinen Show-Formaten. Von denen brachte er in den vergangenen Jahren nämlich mehr auf die Wege, als er sich wohl selbst hätte erträumen können. Aus einer Jux-Aktion wurde die "Wok-WM", aus einer Disziplin bei "Schlag den Raab" der "Deutsche Eisfußball Pokal". Zusätzlich konnte er sich schon im Turmspringen, beim Stock-Car-Rennen und im Pokern messen. Inzwischen scheint die Konzept-Maschine Raab aber ein wenig ins Stottern geraten zu sein, neuartige Show-Ideen gab es zumindest in der letzten Zeit nicht mehr. Und vielleicht ist das auch gut so, denn "Die große TV total Hallen-Halma-WM" gab es zwar noch nicht, sehen will sie aber wohl auch niemand

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